Zehn Jahre ist es nun her, und noch immer denke ich an mare Nr. 37 als ein besonderes Heft. Als der niederländische Fotograf Kadir van Lohuizen uns seine Bilder von den großen Flüssen dieser Erde zeigte, waren wir sofort begeistert. Ich bewunderte diesen Mann sehr, für seine Arbeit natürlich, aber auch für das Leben, das er führte. Alleine unterwegs um die Welt, mit einem Anspruch, der geradezu enzyklopädisch erschien. Immer weiter, immer mehr, auf der Suche nach Bildern, Menschen und Geschichten. Und, das gefiel mir besonders gut, nie ohne roten Faden - Flüsse haben den roten Faden ja gewissermaßen schon in sich.
Ihnen von der Quelle bis zur Mündung zu folgen, ihren Wandel vom munteren Bächlein zum Strom, der sich träge ins Meer ergießt, zu begleiten, ist eine Erzählung, die poetischer kaum sein könnte. Und so kam es, dass wir Redakteure und Redakteurinnen Teil dieses großen Projekts wurden und uns je einen der Flüsse aussuchen durften, die van Lohuizen in Schwarzweiß fotografiert hatte, einen Fluss, der dann zu „unserem" wurde. Wir teilten uns also auf - und an mir blieb die Donau hängen. Traurig war ich im ersten Moment, Donaueschingen, Ulm, Budapest, nun ja, das klang alles andere als aufregend. Die anderen dagegen, die durften den Niger, den Amazonas, den Ob oder den Mississippi bereisen, einer fuhr sogar bis an den Jangtse.
Doch die Donau steckt voller Überraschungen, voller Historie vor allem. Nach Wochen der Lektüre und der Reise endlich im Delta angekommen zu sein und über das Schwarze Meer zu blicken, die Geschichten vieler Menschen im Ohr und auch im Notizbuch, war durchaus bewegend. Ich habe Europa noch einmal anders, besser verstanden. Zudem erinnert mich das Heft, das wir „Wege zum Meer" nannten, daran, wie schön Redaktionsarbeit doch ist. Jeder für sich und alle zusammen.
mare No. 37, "Wege zum Meer"