mare No. 96

Februar 2013
mare No. 96
8,50 € /  16,50 SFR 

Aktuelles Heft

Apr 2013, No. 97

Gärten am meer
Corwall, Dubai und das Meer im Versailler Park

operation condor
Die Todesglieger der Militärjunta

Glück mit unglück
Das Geschäft mit der Hochseebergung

Weltkarte

Liebe Leserinnen und Leser,

der 21. Juli 1969 ist mir noch gut in Erinnerung. Auf der kleinen Mittelmeerinsel Giglio versammelte sich die halbe Bevölkerung im Speisesaal eines Hotels vor einem der beiden einzigen Inselfernseher. Und wir erlebten mit, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat. Seither ist sein Name unzertrennlich mit dieser Heldentat verbunden. Oft, wenn ich den Mond betrachte, muss ich an Armstrong denken. - Aber was wäre, wenn der Mond plötzlich weg wäre und verschwunden bliebe? Nach wie vielen Jahren würden wir wohl auch Neil Armstrong und seinen „ersten Schritt" vergessen haben? So gesehen frage ich mich, was wohl mit der Erinnerung an Fridtjof Nansen, Salomon Andrée, Frederick Cook, Robert Peary geschieht, den Helden des Nordpols ? Vielleicht heißt irgendwann der einzige Pionier des Nordpols dann Artur Tschilingarow.

Denn bald wird das Eis des Nordmeers während unseres Sommers geschmolzen sein und noch später auch im Winter. Die Klimaerwärmung scheint unaufhaltsam ein Meer freizulegen, das bisher als großer, dicker Eispanzer wahrgenommen wurde. Nichts wird mehr erinnern an die Taten der Entdecker. Nichts an ihren Ehrgeiz, ihren Mut, ihre Visionen, ihr Leiden. Keine Spuren verwehen dann noch im arktischen Eis, keine Fahne flattert mehr an dem umstrittenen Punkt, um den sich alles dreht, nicht nur die Erde, auch unsere Gedanken. Und seit Neuestem auch unsere Wirtschaft.

In dieser Ausgabe berichten wir von Männern, die in eine weiße Wüste auszogen, um unter größten Gefahren, zuerst mit Schiffen durchs Packeis, später mit Schlitten zu Fuß oder per Luftfahrzeug, den Nordpol zu erreichen (Seite 54). Die heute fast unvorstellbaren Geschichten gebaren Nationalhelden mit scheinbar unvergesslichen Namen. Damals gab es noch diesen schwierig berechenbaren Punkt im Eis, den es zu erreichen galt. Doch schon heute drehen sich die Nachrichten nicht mehr um Helden, sondern um internationale Konsortien der Öl- und Gasindustrie. Um die Vorherrschaft der Anrainerstaaten, die die rohstoffreichen Meeresböden ausbeuten. Auch davon lesen Sie ab Seite 70. Und Sie werden einen neuen Helden des Nordpolarmeers kennenlernen. Den eingangs erwähnten Artur Tschilingarow. Und wie er eine neue Fahne aufrichtet. Tief im Meer und nicht für seinen Ruhm und um seine Neugier zu befriedigen, sondern vielmehr, um Russlands Anspruch auf Öl und Gas zu bekräftigen.
Welche Namen werden wohl unsere Enkel noch mit dem Nordpol verbinden?

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihre mare-Crew

Außerdem in mare No. 96:

Wissenschaft

Die Magie der Ödnis

Text: Georg Rüschemeyer   
Es gibt dort nichts als endloses Eis, und doch lieferten sich Entdecker einen gefährlichen Wettlauf zum Nordpol.

Kultur

Der Norweger Thor Heyerdahl wollte 1947 beweisen, dass die Südsee von Amerika aus besiedelt worden war. Auf dem Floß „Kon-Tiki“ ließ er sich mit fünf Gefährten 7000 Kilometer über den Pazifik treiben. Jetzt kommt ein Film über dieses Abenteuer in die Kinos.

Nach der Katastrophe

Text: Dirk Liesemer   
Darf man das Grauen nachstellen? Thomas Wredes Fotografien sind minutiös geplante Szenarien im Miniaturformat. Die Geschichte zu einem Bild, entstanden im Watt.

Leben

LF Siggi, bitte kommen!

Text: Andreas Wenderoth   Fotos: Jan Windszus
Auf der griechischen Ägäisinsel Ikaria ist die Feuerwehr pleite. Die Einsatzkräfte fahren mit Privatautos und müssen in T-Shirt und Latzhose ins Feuer. Jetzt hat mare ein Löschfahrzeug gespendet.

Die Strandboxer von Bukom

Text: Gaby Herzog   Fotos: Martin Steffen
Sich zu prügeln hat bei den Fischern in Accra, Ghanas Hauptstadt, Tradition. Eine Zukunft als Boxchampion ist ihre große Hoffnung. Das Training ist eine harte Schleiferei für den Traum vom besseren Leben.

Politik

Ein kapitaler Irrweg

Text: Christian Schüle   
Der Merkantilismus ist dem Meer entsprungen – und ging schon einmal baden. Die Geschichte der ersten Welt-AG, der Niederländischen Ostindien-Kompanie, erinnert an die Finanzkrise von heute.

Treibgut, selig und fahl

Text: Wolf Reiser   
Das Mittelmeer unserer Jugend, voller schwärmerischer Leichtigkeit und friedfertigen Hedonismus, ist verkommen zu einem Meer von deprimierenden Nachrichten. Eine sehnsüchtige Abrechnung.

Untergrundkämpfer

Text: Judith Scholter   Fotos: Walther-Maria Scheid
Wem gehört eigentlich der Nordpol? Fünf Länder halten ihre Finger darauf. Und drei Institutionen schlichten den Streit um die Rohstoffe in seinem Meeresboden.

Wirtschaft

Ein Mann am Boden

Text: Peter Sandmeyer   Fotos: Mathias Bothor
Als Reeder schaffte es Niels Stolberg bis ganz nach oben. Dann verlor er alles: seine Firma, sein Vermögen, seine Glaubwürdigkeit.

Der Turmbau zu Batumi

Text: Judith Scholter   Fotos: Rena Effendi
Georgiens Hafenstadt am Schwarzen Meer wird mit Prestigebauten herausgeputzt. Ihre Geschichte erzählt viel über die Unzufriedenheit der Georgier mit ihrem Präsidenten.

Kombüse

Petersburger Stintomanie

Text: Till Hein   Fotos: Gueorgui Pinkhassov
Wenn das Frühjahr noch früh ist, kommt er vom Meer die Newa herauf, vertreibt Frost und Finsternis in Sankt Petersburg und verströmt in der ganzen Stadt seinen Duft: der Stint, der Stint, ein Maienkind.

Blaues Telefon

Woher rührt der Begriff „Nock“ beziehungsweise „Brückennock“? Warum weisen die Antriebspropeller von Schiffen und U-Booten eine unterschiedliche Flügelanzahl auf? Kann ein Containerschiff auf hoher See verschwinden?