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Es rührte ihn wie ein Donnerschlag, gibt er später der Presse zu Protokoll. In diesem Moment wusste er: „Das wird das nächste große Ding!" Er nimmt Kontakt mit der Truppe auf, unterbreitet ihr die Vorschläge mehrerer großer Plattenfirmen. Die Fisherman's Friends unterzeichnen bei Island Records. Unterstützt werden sie dabei vom legendären BBC-DJ Johnnie Walker - der war ganz zufällig am gleichen Wochenende in Port Isaac wie Rupert Christie. Es sind schon eine Menge Zufälle. Wenig später stehen in den Zeitungen Schlagzeilen wie diese: „Cornish fishermen net £1m record deal!"
„Das muss man sich einmal vorstellen: eine Million Pfund!", sagt Jeremy und lacht laut. Er hat jetzt Feierabend, sprintet so, wie er vom Kutter kam, in gelbem Ölzeug und schmierigem Wollpulli, hinüber zur „Platt". Dort warten die Freunde schon, mit ein paar Bieren vom „Mote", der Hafenbar nebenan. Zwischen hohen Stapeln von Hummerkörben haben sie Bänke aufgestellt. Es riecht intensiv nach Hafen, ein bisschen faulig, salzig, mit einer Spur von Dieseldunst.
Die Fisherman's Friends, das sind Jeremys Brüder Julian und John - Ersterer hat seinen Hummerkutter im nahen Padstow liegen; Letzterer war 27 Jahre bei der Rettungsbootcrew, er fährt mittlerweile nur noch Touristen zum Makrelenfischen hinaus und verdient seinen Lebensunterhalt mit Ferienwohnungen. Dann sind da noch Peter Rowe, Exfischer, Exhafenmeister, mittlerweile 78 Jahre alt, Rentner und ein Freund der Blumen. Außerdem Jon Cleave, mit Walrossbart und Prinz-Heinrich-Mütze, ehemaliger Polizist, Kinderbuchautor und Andenkenladenbesitzer. Der Töpfer Billy Hawkins hat heute keine Zeit, und John McDonnell ist noch beim Dachdecken. Dafür sind Zimmermann Trevor Grills und Cafébetreiber Nigel Sherratt gekommen. Alle kennen sich eine Ewigkeit, alle stammen aus der Umgebung. Einzig der Bauer John Lethbridge wird manchmal wie ein Außenseiter behandelt. Schließlich wohnt er fünf Kilometer von der Küste entfernt, er riecht eher nach Sau als nach Sardine.
Die Freunde haben sich nach der Arbeit verabredet, um ein paar Termine durchzusprechen. Alle gehen auch weiterhin ihren Berufen nach. Was damit zusammenhängen mag, dass die Schlagzeilen von ihrem finanziellen Erfolg ein wenig übertrieben waren. Jon Cleave nimmt die Mütze ab, legt die polierte Glatze frei, schaut treu wie ein Golden Retriever und sagt: „Eine Million Pfund minus Produktions- und Marketingkosten geteilt durch zehn. Wer mag, kann das ja mal eben durchrechnen." Es ist ein bisschen wie beim Scheinriesen Herr Tur Tur aus „Jim Knopf": Je näher man kommt, umso kleiner wird er. Der Entdecker Rupert Christie zum Beispiel habe ein Youtube-Video von den Fisherman's Friends gesehen; bevor er hierher kam, kannte er die Band also bereits. Außerdem sei er mit einer Kellnerin vom „Slipway" befreundet. Die wiederum ist die Nichte von Trevor Grills, dem Zimmermann. Was nichts daran ändert, dass der plötzliche Erfolg die Männer zunächst wie ein Güterzug traf, um mit Bob Dylan zu sprechen.
Trotzdem machen die Fisherman's Friends einen so erfrischend normalen Eindruck, dass man allen zukünftigen Popstars empfehlen möchte, doch zunächst eine Ausbildung zum Fischer oder Landwirt zu absolvieren. „Man muss es doch so sehen", sagt Jon Cleave, „wir sind alle ziemlich erwachsen, hatten schon ein Leben vor der ganzen Sache, einen Beruf, unsere Familien und einige von uns sogar schon Enkelkinder.
Wir haben nicht darauf gewartet, Stars zu werden, sondern nur das getan, woran wir schon viele Jahre Freude hatten", sagt Jon - „cheers!" Seine Freunde stimmen ihm zu. Und Peter, der Senior, gibt Folgendes zu bedenken: „Wir sparen uns den ganzen Quatsch, auf den die jungen Superstars reinfallen. Wir müssen keine Drogen nehmen, und Hotelzimmer zu zerschlagen kann, glaube ich, ganz schön anstrengend sein. Außerdem fallen die Zimmer, in denen wir übernachten, schon ganz von selbst zusammen. Stattdessen nehmen wir alles mit, was irgendwie positiv ist: Aufmerksamkeit, Unterstützung, Honorare für die Plattenverkäufe, die Gagen für die Auftritte, ein paar tolle Reisen."
Textauszug. Den gesamten Beitrag lesen Sie in mare No. 95.