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Die alte Laisser-faire-Haltung wirkt heute noch nach. Und das betrifft, wie die Explosion der Plattform im Golf von Mexiko zeigt, nicht nur die Konzerne, sondern auch die Aufsichtsbehörden, die lax oder gar nicht prüften. „Wenn es zehnmal gut gegangen ist, schaut man halt beim elften Mal nicht mehr so genau hin", sagt Rullkötter. Strengere Kontrollen seien dringend nötig. Im Fall der „Deepwater Horizon" hätten sie sogar Menschenleben retten können.
Öl ist giftig, keine Frage. Deshalb müssen Ölkonzerne viel mehr als bisher in die Pflicht genommen werden, in moderne Sicherheitssysteme zu investieren. Das würde die Zahl kleiner und großer Unfälle deutlich reduzieren. Wie so oft muss aber zuerst die Politik Druck machen.
2. Zerstören chemische Gifte die Ozeane?
Zum Glück sind in vielen Ländern die Zeiten vorbei, als man giftige Chemikalienungefiltert in die Luft jagte oder in Flüsse und Meere pumpte. Und doch geht die stille Verschmutzung unaufhörlich weiter. Umweltforscher haben vor allem jene Substanzen im Blick, die zwar in kleinen Mengen ins Freie gelangen, aber so stabil sind, dass sie sich nicht zersetzen. Diese langlebigen Chemikalien reichern sich nicht nur im Meer an, sondern auch im Fettgewebe von Robben, in Lebern von Eisbären und letztlich auch im Menschen.
„Persistent Organic Pollutants" nennen Fachleute diese Chemikalien, kurz POPs.
Besonders hartnäckig sind halogenierte Kohlenwasserstoffe, bombenfeste chemische Verbindungen, die die Elemente Brom, Chlor oder Fluor enthalten. Gefürchtet sind vor allem die Chlorverbindungen, die polychlorierten Biphenyle (PCB), die sich in Meereslebewesen festsetzen und unter anderem bei Robben nachweislich zu Krebs und Unfruchtbarkeit führen. Inzwischen weiß man, dass auch einige Fluorverbindungen gefährlich sind, von denen manche etwa in Outdoorjacken oder Teflonpfannen stecken. 2001 wurden mit der Stockholmer POP-Konvention Stoffe wie die PCB und auch bestimmte fluorierte Verbindungen auf eine schwarze Liste gesetzt.
Doch ständig bringen Hersteller neue Substanzen auf den Markt, ohne zuvor das Gefahrenpotenzial genau zu analysieren. „Es müsste aber genau anders herum sein", sagt Renate Sturm, Umweltchemikerin am Helmholtz-Zentrum Geesthacht bei Hamburg. „Die Hersteller müssten vor der Markteinführung nachweisen, dass eine chemische Substanz unbedenklich ist, wie es seit 2007 auf europäischer Ebene mit der EU-Verordnung REACH versucht wird." Zwar hat auch diese Verordnung Schwachstellen. International aber gilt REACH als vorbildliches Regelwerk zur Ächtung gefährlicher Substanzen.
Gegen Unmengen von Nährstoffen, die in den Schwellenländern aus der Landwirtschaft mit den Abwässern ins Meer gelangen, hilft das freilich nicht. Nährstoffe, vor allem Phosphor- und Stickstoffverbindungen, lassen etwa Algen massenhaft erblühen. Sterben diese ab, machen sich Bakterien über die Reste her. Die aber verbrauchen Sauerstoff. So geht dem Meer langsam die Luft aus.
3. Darf man noch Fisch essen?
Jeder Mensch sollte ein- bis zweimal in der Woche Fisch essen, raten Ernährungsexperten. Denn Fisch ist gesund. Allerdings hat die Sache einen Haken: Fisch gibt es nicht unbegrenzt, im Gegenteil, er wird immer knapper. Mindestens ein Viertel aller Bestände weltweit ist überfischt. Schon in den 1980er Jahren brach etwa der Bestand des Kabeljaus vor der US-Ostküste zusammen. Jahrelang hatte man dort mit schweren Trawlern und Grundschleppnetzen die See durchpflügt. Mitte der 1990er Jahre gab es dann gar keinen Kabeljau mehr. 40 000 Fischer verloren ihre Arbeit. Ein anderes Beispiel ist der Blauflossenthunfisch. Er gehört zu den wichtigsten Zutaten von Sushi. Seit die japanische Spezialität weltweit so begehrt ist, droht der Blauflossenthunfisch auszusterben.
Es gibt mehrere Gründe dafür, warum es den Fischen so schlecht geht. Zum einen holen wir einfach zu viele aus dem Meer. Zum anderen verschwenden wir wertvolle Meeresressourcen durch den Rückwurf von unerwünschtem Beifang und zu kleinen Fischen. Nur wenige dieser Fische überleben nämlich die Tortur. Fischer dürfen nur bestimmte Mengen einer Art fangen. Sie erhalten Quoten für Kabeljau oder Seelachs. Ein Seelachsfischer darf sein Schiff nur mit Seelachs füllen. Holt er Kabeljau als Beifang aus dem Wasser, wirft er ihn, so die gängige Praxis, wieder zurück. Dieser Rückwurf von Arten, für die der Fischer keine Quoten hat, ist bisher noch erlaubt, soll aber bald verboten werden. Bereits verboten, aber immer noch praktiziert, ist der Rückwurf von Fischen, die eigentlich legal angelandet werden dürften, den Fischern aber zu klein sind. Größere Exemplare gelten als hochwertiger und bringen mehr Geld je Kilogramm. Derzeit diskutieren Experten, ob sich Rückwürfe durch verplombte Überwachungskameras an Bord der Trawler verhindern lassen. Außerdem will die EU-Kommission 2013 eine neue, schonende Fischerei beschließen. Wie weit die Maßnahmen gehen werden, steht noch nicht fest. In der Vergangenheit waren Schutzkonzepte immer wieder am Druck der Fischereilobby gescheitert.
Es gibt allerdings noch ein ganz anderes Problem: die Piratenfischerei. Nationen wie China schicken ihre Schiffe etwa in die Gewässer vor Westafrika und fangen verbotenerweise weg, was den einheimischen Fischern gehört. Strafen müssen sie nicht befürchten, denn eine groß angelegte Überwachung können sich Länder wie Senegal oder Mauretanien nicht leisten. Seit einiger Zeit ist vor allem in Europa zertifizierter Fisch im Handel. Produkte, die zum Beispiel das MSC-Siegel tragen, dürfen nur Fisch und Meeresfrüchte enthalten, die umweltgerecht gefangen wurden. Verbraucher erhalten dadurch die Möglichkeit, beim Einkauf im Supermarkt schonende Fischereien zu unterstützen. Obwohl es Stimmen gibt, die sagen, das Siegel sei zu lax: Fischzertifikate sind grundsätzlich eine gute Sache. Und wer noch mehr tun will, sollte einfach ab und zu auf Fisch verzichten.
Textauszug. Den gesamten Beitrag lesen Sie in mare No. 93.