Wieso gab es nie eine Ölpest nach einem Seebeben?

Mischen sich die verschiedenen Weltmeere untereinander? Was weiß man über die Dampfer „Präsident" und „Kronprinz", die Anfang letzten Jahrhunderts in der Afrikafahrt eingesetzt waren? Immer wieder beobachte ich die im Atlantikwind „tanzenden" und schreienden Möwen. Ist das Ausdruck purer Lebensfreude oder verbirgt sich dahinter ein biologischer Nutzen?
Dez 2010, No. 83

Heftinhalt mare No. 83

SEGELFISCHE
100 Meter in drei Sekunden

DURS GRÜNBEIN
Die Meeresgedichte des Büchner-Preisträgers

IRAN
Eine Insel wagt ein wenig Westen

Wieso gab es nie eine Ölpest nach einem Seebeben?
Heiko Kusatz, per E-Mail

„Die meisten Offshorelagerstätten oder -explorationsgebiete befinden sich an tektonisch ruhigen, sogenannten passiven Kontinentalrändern", sagt Dieter Franke von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. „Daher ereignen sich etwa im Golf von Mexiko, vor Brasilien, Westafrika, China oder Australien keine nennenswerten Seebeben." Zwar werden Erkundungsbohrungen auch an aktiven, das heißt erdbebengefährdeten Kontinentalrändern wie etwa vor Nicaragua oder Sumatra abgeteuft. Allerdings sind die potenziellen Lagerstätten dort recht weit von den Erdbebenzonen entfernt. Zudem liegen die Epizentren der starken Beben in relativ großen Tiefen unterhalb der Lagerstätten. „Nur wenn im Zuge eines Erdbebens die Ozeankruste vom Meeresboden bis zur Lagerstätte aufreißen würde, könnte es zu Ölaustritten kommen." Dennoch werden im Golf von Mexiko oder im Schwarzen Meer natürliche Ölaustritte am Meeresboden beobachtet. Ursache dafür sind untermeerische Salzdome, die Risse und Klüfte verursachen. Geschätzt wird, dass es im Golf von Mexiko etwa 1000 natürliche Quellen gibt, aus denen täglich bis zu 200 Tonnen Öl austreten. Die dadurch an der Meeresoberfläche verursachten Flecken sind selbst auf Satellitenbildern zu erkennen.

Mischen sich die verschiedenen Weltmeere untereinander?
Steffi Kendelbacher, per E-Mail

Arktischer Ozean, Pazifik und Atlantik sind zwar durch Kontinente getrennt, aber keineswegs voneinander abgeschottet. So strömt pazifisches beziehungsweise atlantisches Meerwasser durch Bering- und Framstraße in das Arktische Becken. Gerne wird auf das Modell des conveyor belt, eines globalen Strömungssystems, zurückgegriffen. Danach werden wie auf einem Förderband warme Wassermassen an der Oberfläche und kalte, salzreiche Wassermassen in tieferen Ozeanschichten transportiert. So gibt das vom Golfstrom in den Nordatlantik transportierte Wasser seine Wärme an die Atmosphäre ab, wird kühler und schwerer und sinkt folglich in tiefere Schichten. Dort fließt das Wasser südwärts bis zum Antarktischen Zirkumpolarstrom, der die atlantischen Wassermassen in den Indik und den Pazifik verteilt. Hier treten sie auf ihrem Weg Richtung Norden wieder an die Oberfläche, machen kehrt und fließen um Afrikas Südspitze zurück in den Atlantik. In der Realität sind die Strömungsbedingungen allerdings weitaus komplexer als im Förderbandmodell, das etwa den starken Einfluss der Windsysteme oder der Wirbel an der Wasseroberfläche nicht berücksichtigt.

Was weiß man über die Dampfer „Präsident" und „Kronprinz", die Anfang letzten Jahrhunderts in der Afrikafahrt eingesetzt waren?
Paul Döpfner, per E-Mail

„Die Schiffe der deutschen Afrika-Linien" sind Gegenstand einer 2009 erschienen Monografie von Karsten Krüger-Kopiske. Demnach lief erstmals 1849 eine Brigg des Handelshauses Woermann von Hamburg nach Westafrika aus. Gut vier Jahrzehnte später, nach sehr wechselhaften Geschäftsjahren, gründeten Adolph Woermann und weitere Hamburger Reeder, subventioniert vom Deutschen Reich, die Deutsche Ost-Afrika-Linie. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren 75 Schiffe im Liniendienst nach Südwest- und Ostafrika unterwegs, darunter auch die Dampfschiffe „Präsident" und „Kronprinz", die beide 1900 bei Blohm & Voss vom Stapel gelaufen waren. Das Schicksal der 3310 beziehungsweise 5645 Bruttoregistertonnen großen sowie 11,5 beziehungsweise 13,5 Knoten schnellen Dampfer ist durch den Ersten Weltkrieg geprägt. Ein britischer Kreuzer versenkte die „Präsident" am 29. September 1915 vor Kapstadt. Nach dem Krieg wurde das Wrack geborgen und zu einem Leichter umgebaut. Die „Kronprinz" wurde bei Kriegsbeginn von den portugiesischen Behörden im Hafen von Maputo an die Kette gelegt und später beschlagnahmt. Nach dem Krieg war sie in portugiesischen Diensten unter dem Namen „Quelimane" unterwegs, ehe sie 1927 in Lissabon abgewrackt wurde.

Immer wieder beobachte ich die im Atlantikwind „tanzenden" und schreienden Möwen. Ist das Ausdruck purer Lebensfreude oder verbirgt sich dahinter ein biologischer Nutzen?Klaus-Peter Weigand, Praia de Carvoeiro (Portugal)

Möwen sind gesellige Tiere. Sie brüten in teilweise großen Kolonien. Auch während der Nahrungssuche sind sie meist gemeinsam unterwegs, und das während des gesamten Jahres. Lachmöwen etwa machen gemeinschaftliche Flugjagd auf Insekten. Im Übrigen sind Lachmöwen sehr geschickt, wenn es darum geht, anderen Seevögeln Nahrung abzujagen. Je nachdem, was der Speiseplan eben hergibt, kann man Lachmöwen während der Jagd im niedrigen Suchflug über Wasser, im Rüttelflug, aber auch in der Luft „tanzend" und Nahrung suchend beobachten. Weil sie sehr ruffreudig sind, locken sie dabei natürlich Artgenossen an. „Ein sehr ähnliches Verhalten beobachten wir bei größeren Arten wie Silber- und Mittelmeermöwe", sagt Seevogelexperte Professor Peter Becker vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland" in Wilhelmshaven, „auch sie fressen gemeinschaftlich." Hat sich erst einmal eine kleine Gruppe gebildet, die häufig laut schreiend im auflandigen Wind oder im Gefolge von Fischereifahrzeugen unterwegs ist, lockt diese weitere Individuen von weither an, denn die Vögel können ausgezeichnet sehen.